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Vorbereitungsseminar II Jahrgang 2027/2027

16 Freiwillige, davon 9 aus dem Erzbistum Bamberg und 7 aus dem Bistum Würzburg, 5 Referentinnen und Referenten und eine Verwaltungsangestellte mit phänomenalen Kochkünsten - all diese Menschen trafen sich vom 15. bis zum 19. Juni in Heiligenstadt zum ersten Vorbereitungsseminar für den Weltfreiwilligendienst, der im September 2026 beginnt.

Nachdem wir unsere geräumigen Zimmer bezogen hatten, starteten wir mit einem wilden Kennenlernbingo nur fast vollzählig, weil ein paar Freiwillige zu spät kamen. Anschließend sollten wir in einem Spiel gemeinsam ein bestimmtes Standbild pantomimisch darstellen. Das war gar nicht so einfach und verdeutlichte uns wie schwierig und gleichzeitig wichtig Hand-und-Fuß-Kommunikation in unseren Einsatzländern sein wird, wenn uns mal die Worte fehlen.

Den Nachmittag über erhielten wir von Referentin Marina einen Einblick in das Thema Entwicklungspolitik. Dabei musste Marina oft "Schwanenfüße" benutzen: Gänsefüßchen reichten oft nicht aus, um zu zeigen, wie veraltet die Begriffe "Entwicklungsland" oder "Entwicklungshilfe" sind. Denn sie suggerieren, dass viele Länder des Globalen Südens entwicklungsbedürftig wären und der Globale Norden ihnen mithilfe von Spenden helfen würde, wobei dadurch meistens nur mehr Abhängigkeiten statt nachhaltiger Unterstützung geschaffen werden. Quintessenz der Einheit war, dass Entwicklungspolitik kritisch und differenziert gesehen werden muss, dass Unterstützung für Länder des Globalen Südens auf die Bedürfnisse der jeweiligen Region angepasst sein muss und die Eigenständigkeit des Landes fördern sollte.

Damit verbunden warfen wir noch einen kurzen Blick auf die Nachhaltigkeitsziele der UN (SDGs) und gerieten in eine rege Diskussion, welches Ziel denn das wichtiges sei.

In den nächsten Tagen besprachen wir weitere wichtige, interessante und kritische Themen. Am Dienstag ging es zum Beispiel um Kolonialismus. In Gruppenarbeiten beschäftigten wir uns mit der Kolonialgeschichte unserer Einsatzländer und welche Auswirkungen heute noch davon zu spüren sind. Jeder Freiwillige muss sich dieser Historie bewusst sein, wenn er oder sie als privilegierter weißer Europäer in eine ehemalige Kolonie reist, weil die Kolonialzeit tiefe Spuren in diesen Ländern und der Bevölkerung hinterlassen hat, die auch nach vielen Jahren nicht verschwinden.

Am Nachmittag zeigte Referentin Maria den Freiwilligen eine Dokumentation über Geschichten, die Landkarten erzählen. Warum wird zum Beispiel immer Europa auf der oberen Hälfte sehr zentral auf einer Weltkarte gezeichnet? Diese Darstellung gibt vor, dass Europa wichtiger als andere Kontinente der Erde sei. Anschließend spielte Maria mit uns ein interaktives Spiel, wodurch uns vor Augen geführt wurde, wie ungerecht Güter auf der Welt eigentlich verteilt sind. Es fiel uns gar nicht leicht zu schätzen, wo z. B. auf der Welt das Bruttonationaleinkommen wie hoch ist. Obwohl wir meistens nahe an der Wirklichkeit lagen, stand in der Lösung doch meist, dass die Verteilung noch ungleicher ist.

Am Mittwochvormittag hatten wir viel Zeit für Biographiearbeit. Wir gestalteten jeder für sich seinen Lebensfluss mit mitgebrachten Bildern. Dabei reflektierten wir, was bisher in unserem Leben passiert ist, wer wir sind, wo wir herkommen, wer uns auf unserem bisherigen Lebensweg begleitet hat und wo wir hin wollen. Als alle fertig waren, stellten wir uns gegenseitig in einer intensiven Gesprächsrunde unsere bunten Plakate vor. Den einen fiel es leichter, von sich zu erzählen, den anderen schwerer, aber alle trauten sich, ihr Leben mit den anderen Freiwilligen und Referenten zu teilen. Dabei war es spannend zu hören, wie unterschiedlich wir alle sind und wie wir doch alle in der gleichen Situation sind, nach unserem Schulabschluss Perspektiven und neue Wege suchen zu müssen und zu dürfen.

Am Nachmittag des Mittwochs schnitten wir ein sehr wichtiges Thema an: unsere Gesundheit während unseres Einsatzes. Tropenmedizinerin Johanna Bolay war uns aus Würzburg zugeschaltet und hielt uns einen Vortrag über verschiedene Krankheiten, Präventionsmaßnahmen und Impfungen. Dadurch, dass insgesamt drei Termine und Einheiten zu Reisemedizin im Vorbereitungsprogramm des Weltfreiwilligendienstes vorgeschrieben sind und dieser für einige schon der dritte war, konnte wir uns langsam einen Überblick über medizinische Vorsorge schaffen und fühlten uns sicherer, was Krankheiten im Einsatzland angeht.

Am Abend hielt Marlene, eine ehemalige Freiwillige, einen Vortrag über ihr Freiwilligenjahr in Bolivien. Dabei gab sie uns zukünftigen Freiwilligen wertvolle Einblicke und teilte ihre Erfahrungen von der Zeit während und nach ihrem Einsatz.

Am Donnerstag gab uns Referentin Marie eine Präventionsschulung zum Schutz vor sexueller Gewalt. Diese Einheit war sehr komplex, weil wir uns mit ernsten Themen auseinandersetzen. Dabei testeten wir mit verschiedenen Begrüßungsritualen und einem Fragebogen zuerst unsere eigenen Grenzen, lernten Zahlen und Fakten über sexuellen Missbrauch in Deutschland und bestimmte Täterstrategien kennen, setzten uns mit den Begriffen "Grenzverletzung", "Übergriff" und "strafrechtlich relevante Handlung" auseinander und durchdachten anschließend Situationen, die uns in unseren Einsatzstellen und -ländern passieren können.

Am Nachmittag machten wir uns mit Max Gedanken über korrekte Berichterstattung aus dem Ausland. Während dieser Einheit gerieten wir ständig in lebhafte Diskussionen. Am Ende hatten viele das Gefühl, dass es gar keinen richtigen Weg gibt, den Umständen gerecht und umfassend zu berichten, jedoch besteht in der Berichterstattung der größte gesellschaftliche Nutzen unseres Freiwilligendienstes. Ebenfalls sammelten wir Ideen, um Spenderkreise aufzubauen: von Kleidung, die man das Jahr über nicht braucht, im Internet zu verkaufen bis zu einer Abschiedsparty mit Spendenaufruf waren viele kreative Ideen dabei.

Die letzte inhaltliche Einheit gab es am Freitagvormittag - diesmal wurde der Weltfreiwilligendienst auch kritisch beleuchtet. Aufgeteilt in Pro-, Contra- und Jurygruppe sammelten wir Argumente und debattieren sie heftig im symbolischen Boxring. Einige von uns hatten zuvor die Sorge, dass sie mit negativen Gedanken nach Hause gehen würden, wenn diese Einheit als letztes kommt, jedoch bewahrheitete sich dies nicht und alle fanden die Contra-Argumente zwar angebracht, sahen aber die Pro-Argumente am Überwiegen, sodass wir mit Vorfreude auf das nächste Vorbereitungsseminar und unseren Freiwilligendienst in Fahrgemeinschaften zum Bahnhof und dann meist mit dem Zug weiter nach Hause fahren konnten.

Neben all dem abwechslungsreichen und informativen Programm konnten während der Woche viele individuelle Fragen geklärt werden und teilweise schon Flugtermine gebucht werden - ein Schritt, der viele von uns dazu brachte, zu realisieren, dass es gar nicht mehr so lange bis zur Ausreise dauert.

Anstöße zum Nachdenken gab es morgens in Impulsen und abends in den Tagebucheinheiten, in denen jeder für sich seine Gedanken zum Thema Mut, Lebensweg und mehr aufschrieb. Einmal sollten wir auch einen Brief an unser zukünftiges Ich schreiben, den wir beim Rückkehrerseminar zurückbekommen werden.

Für Verpflegung sorgte die Woche über Ingrid, die uns im Selbstversorgerhaus Leinleitertal fabelhaft bekochte.

Und natürlich hatten wir viel Freizeit, in der wir uns immer besser kennenlernten, lange Spieleabende mit Flip7, Wizard, Kartograph und Skijo veranstalteten, uns wilde und laute Kickerpartien lieferten, im Wald um das Haus spazieren gingen, tiefe Gespräche führten, die Ziegen, die direkt nebenan grasten, besuchten und viel Spaß miteinander hatten. Am letzten Abend waren alle Freiwilligen gemeinsam am Badesee und genossen die Abendluft im See oder am Ufer.

Es war eine tolle Woche, die uns auf den Weltfreiwilligendienst vorbereitete und uns mehr Sicherheit und Vorfreude gab und in der wir Freiwilligen zu einer guten Gruppe zusammengewachsen sind.

Danke an alle Referentinnen und Referenten, die für uns dieses Seminar vorbereitet und durchgeführt haben!

berichtet von Dorothea Braig

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